Herzen

Herzen sind verwundbar,

Es tut weh, wenn man sie schlägt.

Doch diese Schläge töten nicht,

Sie schmerzen.

Herzen sind brechbar,

Es tut weh, wenn man sie tritt.

Doch diese Tritte töten,

Sie schmerzen.

Herzen sind schlagbar,

Es tut weh, wenn man sie bricht.

Doch diese Brüche töten nicht,

Sie schmerzen.

Herzen sind verzichtbar,

Es tut weh, wenn man sie bombardiert.

Doch diese Bomben töten nicht,

Sie schmerzen.

Herzen sind sterblich,

Es tut weh, wenn man sie verwundet.

Doch diese Wunden töten nicht,

Sie schmerzen.

Herzen schlagen,

Herzen brechen,

Bis der Schmerz sie tötet.


Mein neuer Heimtrainer – oder: Wie mich faule Menschen zur Weißglut treiben! Diesmal: Der DHL-Bote

Es ist wieder einmal Zeit, mir den Frust und den Ärger von der Seele zu schreiben, weil ich sonst wohl platze…

In Berlin werden bekanntlich etwa 26.000 Fahrräder pro Jahr geklaut.

Mein Vermieter stellt mir zwar einen Keller zur Verfügung, aber der ist feucht wie die Barbarossa-Tropfsteinhöhle im Harz  und die Treppe hinunter ähnelt gruselig der Treppe, die Opa Rodenwald in „Spuk von draußen“ beschreitet – zur Aufbewahrung eines Fahrrades ist dieser Keller also nicht geeignet.

Um nun nicht gänzlich auf’s Radeln verzichten zu müssen, habe ich günstig ein Modell „Heimtrainer“ bei einem sehr großen Online-Anbieter erstanden.

Also freut man sich, wenn man dann eine Bestellbestätigung erhält mit dem Hinweis: „Ihre Bestellung wurde versandt“ mit dem Lieferdatum, das gnädiger Weise auf einen Samstag fällt: „Da bin ich zu Hause! Da hab ich den ganzen Tag Zeit, um das Ding aufzubauen! Da kann ich abends schon ne Runde radeln!“

Die Woche vergeht schleppend und der Samstag kommt nur langsam. Sicherheitshalber gehe ich Freitag früher in den Feierabend – nicht, dass das Fahrrad früher kommt und ich bin nicht zu Hause! Gott bewahre! Dann müsste ich das gute Stück ja in der Postfiliale in den Neukölln Arcaden abholen – und dann noch anderthalb Kilometer nach Hause schleppen! Aber der Freitagnachmittag kommt und geht, ohne dass ein DHL-Bote klingelt und in den Hörer blubbert: „Paket für Anne!“ Auch der Freitagabend zieht ohne Paketzustellung ins Land – aber nicht zweifeln, schließlich stand in der Mail ja auch noch der Samstag.

Nun denn, schnell ins Bett, denn je schneller man einschläft, desto schneller ist Samstag. Dieser wird selbstverständlich mit einem Samstag-Frühstück begonnen – um 8:30 Uhr in der Früh! Denn man erwartet schließlich sehnlichst ein Paket!

Auch der Lebensgefährte steht mit auf, er will ja nicht später allein frühstücken, während ich den Heimtrainer aufbaue.

Um 9:45 Uhr sitzen wir noch immer bei Kaffee und Brötchen am Tisch und lamentieren über die NSA-Ausspähaffäre und Frau Dr. Merkel, die das erst interessiert, seit sie selbst betroffen ist. Mir wird die Zeit lang; ich setze mich vor den Rechner und surfe im Netz nach News, wasche Wäsche, mache Betten, trinke noch mehr Kaffee bis ich so zappelig werde, dass ich es nicht mehr aushalte und in die Sendungsverfolgung (Super Service der DHL!) starre und meinen Augen nicht traue: Ist meine Brille wirklich so verdreckt: der Status hat sich von „In der Auslieferung“ geändert! Und zwar auf: „Konnte nicht zugestellt werden, da niemand anzutreffen war – wird in Postfiliale gebracht“. – WAS? Wann war ich nicht anzutreffen?

Fuchsteufelswild rufe ich also beim Kundenservice des DHL an – ja der Kundenservice des DHL ist nur telefonisch „erreichbar“ – nach 15 Minuten Warteschleife geht endlich ein unfreundlicher, überarbeiteter Schnösel ans Telefon und erzählt mir nun genau die gleiche Geschichte, die ich bereits in der Sendungsverfolgung lesen konnte.

Nachdem ich diesem Schnösel aber mitteile, dass ich doch hier bei mir zu Hause war und immer noch bin, der DHL-Zusteller aber weder geklingelt, geklopft, gemorst – ja nicht einmal Rauchzeichen von sich gegeben hat – kommt ein sensationeller Vorschlag vom Schnösel: die Neuzustellung meines Heimtrainers am Dienstag! Da ich unter der Woche nicht arbeite, ist dies selbstverständlich gar kein Problem! – Die Ironie ist nicht zu überlesen, oder?

Als ich dem Schnösel dieses Dilemma nun schildere, kommt der zweite noch viel bessere Vorschlag: eine Woche warten bis zum nächsten Samstag! Da säße ich dann wieder einen Samstag rum und der DHL-Bote klingelt nicht, weil ja unten die Straße wegen des Wochenmarktes gesperrt ist und er müsste das Paket ja 50 Meter weiter tragen als wenn er direkt vorm Haus parken könnte!

Auf meine Beschwerde gegen den DHL-Boten, den ich noch nie zu Gesicht bekommen habe, weil er seit 2 Jahren nicht mehr in meine Wohnung liefert, bekomme ich nur zur Antwort: „Ich gebe es weiter, es meldet sich dann jemand!“

WANN?

WER?

WIE LANGE MUSS ICH WARTEN?

WIRD DANN ETWAS UNTERNOMMEN?

BEKOMME ICH MEINE PAKETE DANN ZWAR ZUGESTELLT, JEDOCH SEHEN SIE DANN AUS WIE ALTE FRÜHSTÜCKSTÜTEN?

Ich habe mal eine Reportage von Günter Wallraff gesehen – es ist lange her… Da machte der Herr einen verdeckten Bericht über die Zustände bei Lieferdiensten. War es Hermes? Oder GLS? (Hey, die hatten wir schon mal!) Oder doch DHL?

Die Zustände in den Firmen sind katastrophal! Zugegeben – ich möchte da nicht arbeiten. Aber klingeln könnten die Typen schon. Ich hätte beim Rauftragen sogar geholfen – bin ja kein A…!

So zieht der Samstag mit Groll im Bauch ins Land, ohne dass sich auch nur irgendwer von der DHL meldet. Auch der Sonntag geht vorbei ohne irgendwelche Nachrichten, Rauchzeichen oder wenigstens eine Entschuldigung.

So gehe ich mit Grummeln im Bauch am Montag zur Arbeit, im Gepäck die Benachrichtigungskarte, die wir dieses Mal wenigstens erhalten haben (ist leider bei DHL auch keine Selbstverständlichkeit, wie wir bereits feststellen durften – aber das ist eine andere Geschichte!).

Um 17:45 Uhr treffe ich endlich am U-Bahnhof Rathaus Neukölln an – angesäuert ist untertrieben. Mein Lebensgefährte wartet glücklicherweise bereits auf mich. Ab geht es also zur Postfiliale in den Neukölln Arcaden. Da ich wohl nicht die einzige bin, die von dem DHL-Boten nur eine Benachrichtigungskarte und kein Klingeln bekommen hat, stehen dort noch weitere 19 Menschen schön säuberlich in einer Reihe hintereinander. Als  hätten die das geprobt!

„Oh Gott!“, geht mir durch den Kopf, „ich habe eine Zeitreise gemacht und bin im Jahr 1988 gelandet! In der DDR! Jetzt muss ich nach Bananen anstehen wie früher als kleines Mädchen!!!“

Mein Lebensgefährte lächelt mir aufmunternd zu. Irgendwann stehen wir tatsächlich vor dem Schalter – und hier gibt es gar keine Bananen!

Da fällt mir wieder mein Heimtrainer ein und ich reiche dem Mann am Schalter meine DHL-Benachrichtigungskarte.

Auf meine Frage, wo ich denn meine Beschwerde über den DHL-Boten loswerden könnte, weil der ja nie bei uns klingelt, kommt nur unfreundlich gebrabbelt zurück: „Da können wir nichts für!“ – Er reicht mir eine Visitenkarte mit einer Telefonnummer und brabbelt weiter: „Melden Sie sich da!“

Am liebsten will mein angeborener Sarkasmus jetzt raus und sagen: „Vielen herzlichen Dank, dass Sie ein offenes Ohr für die Probleme Ihrer Kunden haben! Der Kundenservice hier ist der Beste, den ich je erleben durfte!“ – aber mein Lebensgefährte sieht den Ausbruch kommen, lächelt wieder und legt mir beruhigend die Hand auf die Schulter. Gut, ich lass es also gut sein!

Dann verschwindet der Mann für geschlagene 5 Minuten im hinteren Lager und zieht beim Wiederkommen ein 2 Meter mal 1 Meter mal 0,5 Meter großes, 20 Kilogramm schweres Paket hinter sich her! DAS soll ich nun also – wenn’s nach dem DHL-Boten geht – allein nach Hause schleppen?! Ich bin so froh und erleichtert, dass mein Lebensgefährte gerade mal Zeit hat! Nicht mal der gute – unfreundliche – Mann in der Postfiliale kann das Paket anheben. Wir  müssen es noch 1,5 km schleppen…

Aber wir schaffen es tatsächlich nach Hause ins 3. Obergeschoss und das Paket landet auf dem Fußboden im Wohnzimmer.

Mir tun die Finger weh und ich habe nicht mal mehr Lust aufs Radeln. Nur Duschen und Schlafen gehen!

„Eine Odyssee geht zu Ende!“, ist der letzte Gedanke, der mir an dem Montagabend durch den Kopf geht!

Auf diesem Weg möchte ich mich bei dem faulen Hund von DHL-Boten bedanken:

Danke, dass ich das 20-Kilo-Paket durch halb Neukölln schleppen durfte!

Danke, dass du zu bequem bist, 50 Meter um die Ecke zu gehen und bei uns zu klingeln!

Danke, dass du das jetzt seit 2 Jahren mit uns machst!

Danke, dass du deinen Job so wunderbar machst!

Danke, dass du so zuverlässig bist!

Danke, dass du so faul bist!

Wenn ich könnte, würde ich auf all die Deppen von Zustellern verzichten, egal ob der faule DHL-Paket„service“ oder der dumme GLS-Paketdienst – ich erwähne nur kurz das Wort „iPhone“!


Dresden


Herbst

Strasburger Stadtsee Hellteich


Betrogen

Fühlt sich betrogen,

Hat Schmerzen,

Will nicht mehr werden angelogen,

Findet nur Leere in deren Herzen.

Suchte Unterstützung und fand doch nur Frust,

Hat auf Streit doch keine Lust,

Suchte Sicherheit,

Fand doch nur Verwundbarkeit.

Wird zerfressen von Einsamkeit und Lügen,

Und lässt sich doch betrügen –

Um ihre Zeit.


Unterwegs am Goldbach


Deutsche Gerechtigkeit

Dies sagt ein Mann, der knapp 600 Tage in einem Schloss lebte, Bedienstete hatte und nun mit einer jährlichen Rente von 200.000,00 € leben darf:

 „Vielfalt, Weltoffenheit, Freiheit und sozialer Ausgleich – das macht unser Land aus und stark.“

Zu wem er das sagt?

Zu den 4.500.000 Menschen, die von etwa 374,00 € im Monat leben müssen?

Zu den 860.000 wohnungslosen Deutschen?

Zu den 13.600.000 von Armut gefährdeten Kindern?

Zu den 1.300.000 Bedürftigen, die sich keine Mahlzeiten leisten können und „Die Tafel“ brauchen?

Zu den 12.600.000 Deutschen, die von Armut bedroht werden?

Zu den 660.000 Rentnern, die sich zu ihrer Rente noch etwas dazu verdienen müssen?

Zu den Deutschen, die in den 77.126 Friseurbetrieben für nicht einmal 700,00 € im Monat schuften?

Zu den 4.670 Floristik-Auszubildenden, die im Monat 312,00 € verdienen?

Zu den 100.000 Gastronomie-Auszubildenden, die für 350,00 € im Monat auch an Wochenenden, Feiertagen und nachts als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden?

Hat dieser Mann jemals das richtige Deutschland gesehen? Das Deutschland, in dem diese Menschen leben? Oder saß er wie ein König in seinem Schloss und ließ sich wirklich nur Ferien spendieren?

Und die Bundeskanzlerin? Die ist dieser Meinung:

 „Insgesamt geht es Deutschland so gut wie lange nicht!“

Welchem Deutschland? Ihrem oder dem der 27.000.000 Deutschen, denen es eben nicht gut geht?

Und wo ist der soziale Ausgleich?

Geben die 800.000 deutschen Millionäre etwas von ihrem vielen Geld ab? Außer als Unterstützung für Wahlkampfkampagnen für eben die Bundeskanzlerin oder ihre Schergen?